Werner und ich sind seit vorgestern in Namibia. Zwei Tage später als ursprünglich geplant. Aber wir konnten einfach nicht anders als den Termin hinaus schieben, weil die Region um Kapstadt einfach unglaublich schön ist. Hermanus, die False Bay, das Kap der Guten Hoffnung, der Tafelberg und natürlich Kapstadt selber. Wer eine Reise nach Südafrika plant, sollte für diese Ecke mehr als eine Woche einplanen!
Zunächst logierten Werner und ich vom vergangenen Samstag bis Montag im “Windsor Hotel” in Hermanus. Ein Hotel mit einem Namen, der Prunk und Glanz verspricht… und damit verbundene Flaute im Geldbeutel. Aber das war in diesem Fall anders. Für das durchaus gediegene Hotel zahlten wir pro Nacht erschwingliche 33.- Franken. Inklusive einem Frühstücksbuffet der Sonderklasse und dem Atlantik vor der Türe (das Hotel ist oben links).
Ich verbrachte Stunden auf den Felsen am Cliff Walk und erlebte das Meer wie kaum je zuvor. Wild, lebendig, gewaltig, ästhetisch erste Güte. Wer Hermanus nicht besucht verpasst also einiges. Leider reichte es uns nicht zu einem Besuch der Gans Bay, dem Ort wo viele bekannte Dokumentarfilme ihre Aufnahmen von Weissen Haien machen (z.B. im BBC-Klassiker “Planet Earth”).
Wale, die eigentliche Attraktion von Hermanus, sahen wir aber wenige, weit draussen und nur für Sekundenbruchteile. Dafür trafen wir am Montag vier Südkaper vor Betty’s Bay an und beobachteten sie bei guter Sicht eine halbe Stunde lang. In Betty’s Bay besuchten wir auch die besser fotografierbare Brillenpinguin-Kolonie am Stony Point.

Noch am selben Abend fuhren wir hinaus zum Kap der Guten Hoffnung. Wir hatten sehr grosses Glück mit dem Wetter. Nicht umsonst wird das Kap der Guten Hoffnung auch als schönstes Ende der Welt bezeichnet. Hier der Leuchtturm am Diaz Point, erbaut im Jahre 1911.
Das Kap der Guten Hoffnung ist schlicht unbeschreiblich, ein Lob an den Schöpfer, eine Landmarke, deren Name und Prägnanz mich ermutigte verheissungsvoll in meine eigene Zukunft zu blicken. Diese eindrückliche Ermutigung konnte ich gut gebrauchen, denn ich bin sowohl stellen- als auch wohnungslos in diese Ferien abgereist. Gestern Abend erreichte mich nun der erfreuliche Bescheid, dass ich ab Oktober eine neue Arbeitsstelle habe! Vielen Dank an Gott und seinen Helfer Peter Pfeiffer für die Vermittlung! Konkretes dazu zu einem anderen Zeitpunkt.
In Kapstadt selber übernachteten wir im besten Backpacker Hotel von ganz Afrika (mehrere Urkunden hängen an den Wänden). Dieser Ruf hält was er verspricht! Nach einem regnerischen Dienstag und einem Putzer im Auto (unsere präferierte Jass-Variante) auf dem szenischen “Chapman Peak Drive”, schenkte uns Gott einen sonnigen Mittwoch an dem wir den Tafelberg besuchten. Die steile Luftseilbahn brachte uns in fünf Minuten auf über 1000m über Meer und wir konnten einen weiteren Höhepunkt unserer Reise geniessen. Das im Bild bin ich, die berühmte “Robben Island”, dem Ort wo Mandela achtzehn seiner 27 Jahre Haft verbrachte, und das “Cape Town Stadium”, wo Deutschland letztes Jahr Argentinien vernichtend schlug.

Am Mittwochabend besuchten wir die “Waterfront” von Kapstadt, wo ich mir unter anderem die Haare schneiden lies. Zufälligerweise liefen an der Waterfront gerade Dreharbeiten für den Bollywood-Film “Blood Money”. Ein grosser indischer Filmtross war zugegen und ich machte mit meinem iPhone auch ein paar Bilder. Mit Amrita Puri war ein aufstrebendes Talent des Bollywood-Films vor Ort und ich konnte mit ihrem Filmpartner Kunal Khemu, nach der geglückten Schäkerszene, ein paar Worte wechseln.
Den noch schöneren Anblick bot aber der Blick hinauf zum Tafelberg mit dem zur WM neu eröffneten Riesenrad.

Am Donnerstagmorgen gaben wir bei “Tempest Car Hire” unseren Nissan ab. Mit einigem Bibbern… hatten wir uns doch vor etwa zehn Tagen unbewusst und unschuldig eine 30cm-Beule in der Fahrertüre eingefangen, die zwei Tage später, nach gewohntem Türzuschlagen, auf mirakulöse Weise wieder verschwand! Werner und ich trauten unseren Augen nicht. Bei genauerem Hinschauen merkten wir aber, dass eine minimale, fast unsichtbare Delle übriggeblieben war. So sagte ich Werner, dass das Wunder erst dann komplett sei, wenn das Auto ohne Probleme, nach dem Motto “schlafende Hunde weckt man nicht” (Werner), abgegeben sei. An diesem Donnerstagmorgen regnete es sehr stark, wie noch nie auf unserer Reise. Und so war der Nissan in der “Tempest”-Garage so tropfnass, dass die kleine Delle praktisch unsichtbar war und sie nichts fanden. Strike!
Sie führten uns mit dem Mietwagen dann sogar noch kostenlos zum Busbahnhof von Kapstadt, wo wir um 10.30 Uhr, mit halbstündiger Verspätung, die Fahrt nach Windhoek antraten.
Die Fahrt dauerte 22 Stunden. Ich sass privilegiert in der vordersten Reihe im Oberdeck und hatte beste Sicht auf die Landschaft. Um halb zehn Uhr abends passierten wir in Vioolsdrift die Grenze zu Namibia. Wir fuhren in einem bequemen “Sleepliner” der Firma “Intercape”, der führenden Busgesellschaft im Land. Intercape ist eine sehr christlich missionarische Busgesellschaft, die während der Fahrt ein etwa einstündiges evangelistisches Fernsehprogramm präsentierte.
Am Busbahnhof von Windhoek wurden wir von meinem besten Studienfreund und Freund fürs Leben, Michael “Michu” Rust, abgeholt. Das war ein sehr freudiges Wiedersehen, nach fast zweijähriger Abstinenz! Natürlich begrüssten wir uns mit dem uns eigenen, in Studienzeiten entwickelten Gruss, der nach wie vor perfekt sitzt!
Michu lässt ganz herzlich grüssen!
Wir fuhren dann zu Markus und Rahel Obländer, dem Predigerehepaar der Stadtmission Windhoek, die ich auch gut von meiner Studienzeit auf St.Chrischona kenne. Wir wurden warm mit einem Frühstück willkommen geheissen und hatten zwei drei schöne Stunden mit ihnen. Auch Simone, die Schwester der hochschwangeren Rahel, war zugegen und Werner machte das Bild.
Anschliessend fuhren wir 300km durch wunderschöne, gebirgige Landschaft über den Bosua-Pass und durch die Namibwüste nach Swakopmund. Auf der ganzen Strecke gibt es keine einzige Ortschaft. Soviel zum Kontrast von Namibia zur Schweiz!

Etwa 50km nach Windhoek hatten wir auf der Schotterpiste einen Platten. Da er sich nicht reparieren liess, mussten wir den Reifen schliesslich mit vereinten Kräften auswechseln und waren froh, dass wir auf den folgenden 250km nicht noch ein weiteres Malheur hatten!
Das war wieder mal richtig viel Lesestoff… aber wenn man so viel Schönes erlebt, fliesst einem die Hand über… Zur Rugby-Manie in Südafrika und Namibia bin ich gar nicht gekommen und natürlich gäbe es noch viel mehr zu erzählen. Ich verbleibe jetzt aber mit ganz lieben Grüssen von Werner und mir aus Swakopmund und danke für die lieben Rückmeldungen zu vergangenen Artikeln!