Möchtest du noch oder willst du schon?

Möchtest du noch oder willst du schon? Peter Bieri hat mich vor einigen Jahren auf den Unterschied von Wunsch und Wille aufmerksam gemacht (“Das Handwerk der Freiheit”). Im ersten Augenblick erscheint der Unterschied vielleicht sehr simpel. Auf Weihnachten hin wünscht man sich eine neue Uhr, unter normaleren Umständen kauft man sich selber eine, wenn man will.

Aber wir möchten im Leben mehr als eine neue Uhr. Wir wollen 5 Kilogramm abnehmen (seit zehn Jahren), wir wollen ein halbes Jahr Ferien machen (seit zwanzig Jahren), wir wollen Frieden machen mit den Verwandten (seit dreissig Jahren), wir wollen den Sinn des Lebens finden (seit ???). Andere wollen einfach einen bunten Schirm für Novemberspaziergänge.

Die Zahl unserer Wünsche, bewusst und unbewusst, ist gross. Wir müssen uns entscheiden den Schritt vom Wunsch („ich möchte einen bunten Schirm“) zum Willen („ich will einen bunten Schrim“) zu machen. Oder aber ehrlich werden und sagen, ich möchte eigentlich einen bunten Schirm, aber ich weiss, ich will ihn eigentlich doch nicht, denn sonst würde ich mir einen kaufen. Anders gesagt: Was wir wollen erkennen wir an dem, was wir tun.

Ein Stück Ohnmachtsgefühl ist bei dieser steilen Aussage natürlich auch angebracht. Aber mich beflügelt der Gedanke, dass ich mit einem bewussten Schritt vom Wunsch zum Willen aktiv spannende Geschichten schreiben kann, die ohne diesen Schritt nie stattfinden würden. Ich trete der lokalen Weight-Watchers-Gruppe bei (relativ spannend). Ich rede mit dem Chef und miete ein günstiges Appartement in Norwegen oder Kuba. Ich nehme den Telefonhörer in die Hand und wähle die Nummer meines Bruders. Ich gehe zum Schnupperabend eines Alphalive-Kurses. Wie es bei wichtigen Entscheidungen oft der Fall ist braucht es dazu vor allem eines: Mut.

Anstatt in einer Wunschwelt zu verharren und metaphorisch gesprochen vor dem Fernseher zu sitzen und die Geschichten anderer zu beobachten, überlege ich mir dann, was ich wirklich will und unternehme Schritte. Geht es nicht darum, dass ich und jeder von uns mit seinem Leben gute Geschichten schreibt? Gute Geschichten für uns, für die anderen und, so meine Überzeugung, für den Geber der Möglichkeiten, den Geber der Klaviatur unseres Lebens, auf welcher wir unsere ureigentümlichen Melodien für die anderen, für uns selber und für Gott spielen können.

Die verschiedenen Lebenssituationen in denen wir unterwegs sind erfordern immer wieder solchen Willen zum Mut (“ich will mutig sein”). Dazu sehr hilfreich ist der “spiritus creator”, der Geist des Schöpfers, der uns helfen will im kreativen Schreiben von schönen Geschichten, über die wir uns zusammen mit Gott und anderen Mitmenschen freuen dürfen.

von gefühlen getrieben? liebe!

Lieben gibt es in der Sprache aller hochentwickelten Gesellschaften als Verb. Reaktive Menschen machen daraus ein Gefühl. Sie werden von Gefühlen getrieben.”

Meiner Meinung nach entlarvt Stephen Covey mit dieser Aussage einen der folgenreichsten Denkfehler unserer Zeit. Man könnte diesen etwa so formulieren: Liebe ist eine reine Gefühlssache, der man hilflos ausgeliefert ist! Ein gutes Beispiel für diese verbreitete Überzeugung bietet Padi Bernhardt, der Sänger von Mash. Er singt in seinem Schweizer Mundart-Hit “Ewigi Liebi” folgende Strophe:

“Ich weiss, Liebi chunnt und gaht, wie ne Cherze schmelzt si wäg, ja wienes Lied hört si eifach uf oder si haut eifach ab, niemmär seit, äs sigi liächt, es isch es einzigs gäh und näh, sgit kei Verlüürer oder Gwünner i däm Würfelspiel…”

Jeder Schweizer Radiohörer kennt es auswendig. Die Melodie ist eingängig, der Text (scheinbar) romantisch und ja, man will irgendwie einfach mitsingen. Es ist ein schönes Lied. Oder anders gesagt: die Lüge kommt in einem sehr hübschen Gewand daher. Denn mindestens drei Dinge gibt es hier einzuwenden:

1. “Ich weiss”. Padi will damit sagen, dass wir es doch alle wissen. Ja, wir haben es so oft gehört und glauben sie mittlerweile fast durchwegs. Die Lüge, dass wir einfach Opfer der Liebe sind. Opfer einer wankelmütigen Besucherin namens “Liebe”, die “chunnt und gaht” wie es ihr passt.

2. Padi besingt unsere Hilflosigkeit in Sachen Liebe. ”Sorry Schatz, die Liebe ist einfach abgehauen. Tut mir echt Leid, aber ich muss dich verlassen!” Padi legitimiert mit seinem Lied solche (Opfer-)Aussagen im Namen der Liebe.

3. Die Liebe ist anscheinend eine Lotterie. Ein Würfelspiel, bei dem es aber paradoxerweise nicht einmal Verlierer oder Gewinner geben soll…! Man wage einen scheuen Blick in unsere gespaltene Familienlandschaft.

Liebe wird in “Ewigi Liebi” auf das Gefühl reduziert. Aber ist Liebe einfach ein Gefühl, dem wir und unsere Beziehungen jederzeit hilflos ausgeliefert sind? Stimmt es, was Padi uns seit einigen Jahren fast täglich im Radio verklickern will? Ich glaube nicht!

Spätestens seit ich Covey gelesen habe, glaube ich es nicht mehr. Covey hat einen sehr guten und christlichen Ansatz, der uns helfen kann, dass unsere Beziehungen gestärkt werden. Ein Ansatz, der uns hilft, dass wir nicht einfach Opfer der Liebe sind, sondern Täter der Liebe werden können und sein dürfen. Covey ist das Gefühl der Liebe auch wichtig. Sehr sogar. Aber er sagt: “Liebe – das Gefühl – kann man wieder einfangen.” Aber dazu müssen wir immer wieder neu lernen, dass lieben ein Verb ist. Etwas, das man tut.

Einem Mann, der nach einem Seminar zu Covey kam um mit ihm über seine kriselnde Ehe zu reden empfahl Covey nicht “einfach abzuhauen” und sich eine andere Frau zu suchen. Hier das Gespräch zwischen den beiden, abgedruckt im oben abgebildeten Buch von Stephen Covey:

“Mir gefällt das, was du sagst, Stephen. Aber jede Situation ist doch anders. Meine Ehe zum Beispiel. Ich mache mir wirklich Sorgen. Meine Frau und ich haben einfach nicht mehr die gleichen Gefühle füreinander wie früher. Ich glaube, ich liebe sie einfach nicht mehr, und sie mich auch nicht. Was kann ich tun?”

“Das Gefühl ist nicht mehr da?” fragte ich.

“Richtig”, stimmte er zu. “Und wir haben drei Kinder, um die wir uns sorgen. Was schlägst du vor?”

“Liebe sie”, antwortete ich.

“Aber ich sag’ doch, das Gefühl ist einfach nicht mehr da.”

“Liebe deine Frau.”

“Du verstehst nicht. Das Gefühl der Liebe ist einfach nicht da.”

“Dann liebe sie. Wenn das Gefühl nicht da ist, dann ist das ein guter Grund, sie zu lieben.”

“Aber wie liebt man denn, wenn man nicht liebt?”

“Lieben ist ein Verb, mein Freund. Liebe – das Gefühl – ist eine Frucht des Liebens, des Tuns. Also liebe sie. Diene ihr. Bringe Opfer. Höre ihr zu. Fühle mit ihr. Schätze sie. Bestätige sie. Bist du dazu bereit?”

Lieben heisst aktiv zu sein und sich nicht reaktiv von seinen Gefühlen leiten zu lassen. Wenn du das Gefühl der Liebe hast, dann ist es daran zu lieben! Wenn du das Gefühl der Liebe nicht hast, es aber finden möchtest oder wieder gewinnen möchtest, dann liebe ebenso!


Love

Liebe. Ich verbrachte einen Grossteil meines Arbeitstages auf einem Fassadengerüst und schnitt Netze. Hochkonzentriert natürlich, immer den Meter und das Messer im Griff. Mit dem vorhandenen Rest meiner Aufmerksamkeit unternahm ich dann im Laufe des Nachmittags eine parallel ausgeführte Gedankenreise. Auf welchem Weg ich schliesslich am Ziel landete, weiss ich nicht mehr. Aber ich kam bei der Liebe an und verweilte eine Zeit lang bei ihr. Es tat gut!

Viel habe ich über die Liebe gelesen, viel habe ich mich darüber gewundert und, tief bewegt von Geschichten der Liebe, mit anderen darüber gestaunt. Viel davon habe ich selber erlebt und geschenkt bekommen. (Liebe kann nur geschenkt werden. Das ist das unendlich Faszinierende an ihr.)

Was ich mir insgeheim wünsche – verwegen aber wahr – ist, dass ich neu werde. Nicht irgendwie, sondern erneuert durch Liebe. Und ich wünsche mir ebenso, dass auch Du und unsere Welt neu werden. Nicht weil Du und die Welt nur schlecht wären – das stimmt auch nicht. Aber es könnte besser um uns stehen, besser um unsere Welt. Liebe verändert, Liebe kann neu machen. Auch uns und unser Zusammensein. Aber ich glaube, dass es nicht irgendeine Liebe ist, die das bewirken kann. Ich glaube nicht daran, dass die Menschen die Welt zum Guten bringen können. Egal wer die Wahlen gewinnt. Ich glaube aber an die verändernde Liebe Gottes, die so von innen heraus verändern kann, dass die Welt und wir zum Guten kommen!

Es ist es noch dunkel in der Welt und in mir selber auch. Aber immer wieder gibt es Lichtblicke in unseren Geschichten. Und hier und dort sind Menschen, die gemeinsam an einem Lagerfeuer sitzen und ein Stück Reich Gottes erleben. Von vielen, mit denen ich an solchen Feuern sass, konnte ich lernen. Einige haben mir durch ihre Geschichten und Bücher ein Licht angezündet.  In nächster Zeit möchte ich verschiedene Auszüge aus Texten und Geschichten teilen, die mir zu diesem Thema begegnet sind. Das darf sehr gerne interaktiv geschehen (Kommentar schreiben)!

Damit auch noch versichtbart wird, wie Liebe auch aussehen kann, hier ein eigens von mir gestaltetes Fruchtherz. Leider hatte ich nur noch eine Banane… dafür eine überreife!

In my place

Heute habe ich die Schlüssel für mein neues Zuhause in Empfang genommen. Ich bin sehr begeistert von der 3 ½ Zimmer-Wohnung in Amriswil. Wie schnell das jetzt alles ging ist schon erstaunlich. Gestern Morgen kommt die Nachbarin mit einem Inserat (danke Hélène!), am Nachmittag besichtige ich die Wohnung, am Abend habe ich die mündliche Zusage und heute um halb drei habe ich den Vertrag unterzeichnet und die Wohnungsschlüssel in der Hand. Und dazu ist es einfach eine Bombenwohnung! Ich bin Gott sehr dankbar, dass ich nicht vorher etwas gefunden habe – mir wäre einiges entgangen. So kann ich jetzt mit Sack und Pack einziehen. Nur muss ich noch das eine oder andere Möbelstück kaufen. Der samstägliche Ausflug zu IKEA ist geplant, ein geräumiges Auto bestellt.

Namibia the Beautiful

Werner und ich sind gestern aus Afrika zurückgekehrt. Der Monat war sehr bereichernd und ein Privileg. Auch die letzte Woche in Namibia war gespickt mit eindrücklichen Erlebnissen. Die ersten Tage verbrachten wir bei meinem Studienfreund Michu Rust in Swakopmund. Wir genossen die Zeit bei ihm sehr und liesen alte und neue Zeiten aufleben! Unter anderem bei einem sehr guten Italiener, der ein guter Ersatz war für unsere alte Lieblingsbeiz im Adlergässchen in Lörrach! Michu zeigte uns die Umgebung von Swakopmund und führte uns unter anderem mit seinem Pick-Up durchs ausgetrocknete Flussbett des Swakop.

Am vorletzten Sonntag besuchten wir die Stadtmission, wo Michu zusammen mit Hannes Trauernicht die Konfirmation abhielt. Das war sehr eindrücklich und ermutigend. Leider ging die Zeit schneller vorbei als uns lieb war und wir verabschiedeten uns am Mittwochmorgen in aller Frühe von Michu. Vielen Dank an dieser Stelle für deine geniale Gastfreundschaft! Freue mich auf ein nächstes Wiedersehen!

Am Mittwoch mieteten Werner und ich am Flughafen Windhoek dann einen VW Polo und fuhren in den Süden, hinein in die Namibwüste. 300km Schotterpiste und zwei kleine Dörfer auf dem Weg. In Namibia ist man einfach total im Niemandsland.

Unser Ziel waren die Dünen von Sossusvlei. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch goldgelbe Graslandschaften und interessante Gebirgszüge. Oft mussten wir einfach anhalten und staunend geniessen.

In Sesriem, am Eingang des Namib Naukluft Parks, übernachteten wir nach einer gelungenen “Märt”-Aktion zum halben Preis im superschönen Sossusvlei Lodge. Dort ist es einfach traumhaft. Wir hatten ein kleines Zelthäuschen mitten in der Wildnis, umgeben von Antilopen, Straussen und friedlichen Schakalen. Wenn die Seele hier nicht zur Ruhe kommt, dann weiss ich auch nicht mehr…

Tags darauf fuhren wir in die Dünen und erklommen unter anderem die Düne 45. Der Aufstieg um halb eins am Mittag war in Anbetracht meiner Untertrainiertheit und den schweren, mit Sand gefüllten Schuhen eine ziemliche Überanstrengung – aber eine, die sich sehr gelohnt hat! Hier ein Bild vom Abstieg.


In Sossusvlei gingen wir ein bisschen wandern und kamen in ein paar sehr trockene “Pfannen”, die uns auch sehr gefielen. Der Boden erinnerte mich an HEKS-Plakate. Beim gehen knusperte er so richtig schön.

Der Ausflug in den Süden hat sich sehr gelohnt! Wir hatten zwar noch einmal einen Platten und verloren auch eine Radkappe, aber glücklicherweise konnte alles behoben werden. Am Samstag fuhren wir zurück nach Windhoek, wo wir in der Schweitzerstrasse in einem B&B übernachteten. Am Sonntag besuchten wir die Stadtmission in Windhoek und erfuhren, dass Rahel Obländer am Freitag ihr Baby bekommen hat! Natürlich war sie noch im Spital und so verabschiedeten wir uns von Markus und Simone.

Im Anschluss fuhren wir zum Flughafen von Windhoek und flogen innerhalb von 24 Stunden via Johannesburg und München zurück in die Schweiz. Über der Kalahari passierten wir ein sehr schönes Wolkengebilde. Gestern Mittag verabschiedeten sich Werner und ich am Flughafen in Zürich. Er fuhr gen Westen, ich gen Osten. Auf zu neuen Ufern!

Liebe Grüsse aus dem Coop-Restaurant in Romanshorn.

Vom Kap der Guten Hoffnung in die Namibwüste

Werner und ich sind seit vorgestern in Namibia. Zwei Tage später als ursprünglich geplant. Aber wir konnten einfach nicht anders als den Termin hinaus schieben, weil die Region um Kapstadt einfach unglaublich schön ist. Hermanus, die False Bay, das Kap der Guten Hoffnung, der Tafelberg und natürlich Kapstadt selber. Wer eine Reise nach Südafrika plant, sollte für diese Ecke mehr als eine Woche einplanen!

Zunächst logierten Werner und ich vom vergangenen Samstag bis Montag im “Windsor Hotel” in Hermanus. Ein Hotel mit einem Namen, der Prunk und Glanz verspricht… und damit verbundene Flaute im Geldbeutel. Aber das war in diesem Fall anders. Für das durchaus gediegene Hotel zahlten wir pro Nacht erschwingliche 33.- Franken. Inklusive einem Frühstücksbuffet der Sonderklasse und dem Atlantik vor der Türe (das Hotel ist oben links).

Ich verbrachte Stunden auf den Felsen am Cliff Walk und erlebte das Meer wie kaum je zuvor. Wild, lebendig, gewaltig, ästhetisch erste Güte. Wer Hermanus nicht besucht verpasst also einiges. Leider reichte es uns nicht zu einem Besuch der Gans Bay, dem Ort wo viele bekannte Dokumentarfilme ihre Aufnahmen von Weissen Haien machen (z.B. im BBC-Klassiker “Planet Earth”).

Wale, die eigentliche Attraktion von Hermanus, sahen wir aber wenige, weit draussen und nur für Sekundenbruchteile. Dafür trafen wir am Montag vier Südkaper vor Betty’s Bay an und beobachteten sie bei guter Sicht eine halbe Stunde lang. In Betty’s Bay besuchten wir auch die besser fotografierbare Brillenpinguin-Kolonie am Stony Point.

Noch am selben Abend fuhren wir hinaus zum Kap der Guten Hoffnung. Wir hatten sehr grosses Glück mit dem Wetter. Nicht umsonst wird das Kap der Guten Hoffnung auch als schönstes Ende der Welt bezeichnet. Hier der Leuchtturm am Diaz Point, erbaut im Jahre 1911.

Das Kap der Guten Hoffnung ist schlicht unbeschreiblich, ein Lob an den Schöpfer, eine Landmarke, deren Name und Prägnanz mich ermutigte verheissungsvoll in meine eigene Zukunft zu blicken. Diese eindrückliche Ermutigung konnte ich gut gebrauchen, denn ich bin sowohl stellen- als auch wohnungslos in diese Ferien abgereist. Gestern Abend erreichte mich nun der erfreuliche Bescheid, dass ich ab Oktober eine neue Arbeitsstelle habe! Vielen Dank an Gott und seinen Helfer Peter Pfeiffer für die Vermittlung! Konkretes dazu zu einem anderen Zeitpunkt.

In Kapstadt selber übernachteten wir im besten Backpacker Hotel von ganz Afrika (mehrere Urkunden hängen an den Wänden). Dieser Ruf hält was er verspricht! Nach einem regnerischen Dienstag und einem Putzer im Auto (unsere präferierte Jass-Variante) auf dem szenischen “Chapman Peak Drive”, schenkte uns Gott einen sonnigen Mittwoch an dem wir den Tafelberg besuchten. Die steile Luftseilbahn brachte uns in fünf Minuten auf über 1000m über Meer und wir konnten einen weiteren Höhepunkt unserer Reise geniessen. Das im Bild bin ich, die berühmte “Robben Island”, dem Ort wo Mandela achtzehn seiner 27 Jahre Haft verbrachte, und das “Cape Town Stadium”, wo Deutschland letztes Jahr Argentinien vernichtend schlug.

Am Mittwochabend besuchten wir die “Waterfront” von Kapstadt, wo ich mir unter anderem die Haare schneiden lies. Zufälligerweise liefen an der Waterfront gerade Dreharbeiten für den Bollywood-Film “Blood Money”. Ein grosser indischer Filmtross war zugegen und ich machte mit meinem iPhone auch ein paar Bilder. Mit Amrita Puri war ein aufstrebendes Talent des Bollywood-Films vor Ort und ich konnte mit ihrem Filmpartner Kunal Khemu, nach der geglückten Schäkerszene, ein paar Worte wechseln. 

Den noch schöneren Anblick bot aber der Blick hinauf zum Tafelberg mit dem zur WM neu eröffneten Riesenrad.

Am Donnerstagmorgen gaben wir bei “Tempest Car Hire” unseren Nissan ab. Mit einigem Bibbern… hatten wir uns doch vor etwa zehn Tagen unbewusst und unschuldig eine 30cm-Beule in der Fahrertüre eingefangen, die zwei Tage später, nach gewohntem Türzuschlagen, auf mirakulöse Weise wieder verschwand! Werner und ich trauten unseren Augen nicht. Bei genauerem Hinschauen merkten wir aber, dass eine minimale, fast unsichtbare Delle übriggeblieben war. So sagte ich Werner, dass das Wunder erst dann komplett sei, wenn das Auto ohne Probleme, nach dem Motto “schlafende Hunde weckt man nicht” (Werner), abgegeben sei. An diesem Donnerstagmorgen regnete es sehr stark, wie noch nie auf unserer Reise. Und so war der Nissan in der “Tempest”-Garage so tropfnass, dass die kleine Delle praktisch unsichtbar war und sie nichts fanden. Strike! :-)

Sie führten uns mit dem Mietwagen dann sogar noch kostenlos zum Busbahnhof von Kapstadt, wo wir um 10.30 Uhr, mit halbstündiger Verspätung, die Fahrt nach Windhoek antraten.

Die Fahrt dauerte 22 Stunden. Ich sass privilegiert in der vordersten Reihe im Oberdeck und hatte beste Sicht auf die Landschaft. Um halb zehn Uhr abends passierten wir in Vioolsdrift die Grenze zu Namibia. Wir fuhren in einem bequemen “Sleepliner” der Firma “Intercape”, der führenden Busgesellschaft im Land. Intercape ist eine sehr christlich missionarische Busgesellschaft, die während der Fahrt ein etwa einstündiges evangelistisches Fernsehprogramm präsentierte.

Am Busbahnhof von Windhoek wurden wir von meinem besten Studienfreund und Freund fürs Leben, Michael “Michu” Rust, abgeholt. Das war ein sehr freudiges Wiedersehen, nach fast zweijähriger Abstinenz! Natürlich begrüssten wir uns mit dem uns eigenen, in Studienzeiten entwickelten Gruss, der nach wie vor perfekt sitzt! :-) Michu lässt ganz herzlich grüssen!

Wir fuhren dann zu Markus und Rahel Obländer, dem Predigerehepaar der Stadtmission Windhoek, die ich auch gut von meiner Studienzeit auf St.Chrischona kenne. Wir wurden warm mit einem Frühstück willkommen geheissen und hatten zwei drei schöne Stunden mit ihnen. Auch Simone, die Schwester der hochschwangeren Rahel, war zugegen und Werner machte das Bild.

Anschliessend fuhren wir 300km durch wunderschöne, gebirgige Landschaft über den Bosua-Pass und durch die Namibwüste nach Swakopmund. Auf der ganzen Strecke gibt es keine einzige Ortschaft. Soviel zum Kontrast von Namibia zur Schweiz!

Etwa 50km nach Windhoek hatten wir auf der Schotterpiste einen Platten. Da er sich nicht reparieren liess, mussten wir den Reifen schliesslich mit vereinten Kräften auswechseln und waren froh, dass wir auf den folgenden 250km nicht noch ein weiteres Malheur hatten!

Das war wieder mal richtig viel Lesestoff… aber wenn man so viel Schönes erlebt, fliesst einem die Hand über… Zur Rugby-Manie in Südafrika und Namibia bin ich gar nicht gekommen und natürlich gäbe es noch viel mehr zu erzählen. Ich verbleibe jetzt aber mit ganz lieben Grüssen von Werner und mir aus Swakopmund und danke für die lieben Rückmeldungen zu vergangenen Artikeln!



Mandela und die Garden Route

Werner und ich waren diese Woche zu Besuch bei Nelson Mandela. Er ist jetzt 93jährig und wohnt seit ein paar Monaten in Qunu, einem kleinen Kaff im südafrikanischen Niemandsland. Nur durch einen Insidertipp wussten wir wo er wohnt. Der Wächter am Tor sagte uns, dass er hier sei, dass wir ihn aber nicht sehen könnten… War natürlich klar, aber warum nicht fragen, wenn man mal so nah bei dieser beeindruckenden Persönlichkeit ist. Ich hatte ein etwa fünfminütiges Gespräch mit dem Wächter. Er war sehr nett und fragte woher wir seien. Mandela sei jetzt “wie ein Kind”, er vergesse viel, aber man könne problemlos mit ihm reden. … nur halt wir nicht…, deshalb hier einfach ein Bild von seinem Haus:

Wir wohnten dann zwei Tage in Kidd’s Beach, etwa zwanzig Kilometer südlich von East London. Im B&B von Tommy und Mary Thompson hatten wir schöne Aussicht aufs Meer. Da wir am Sonntag einen Ruhetag einlegten besuchten wir mit Thompsons den Gottesdienst in der lokalen Pentecostal, einer “happy clappy”-church (Tommy). Wir fanden es sehr herzlich und erfrischend! Schon als wir zur Tür hereinkamen wurden wir von vorne begrüsst. “Welcome Jonathan and Marco from Switzerland!” (Werner stellt sich hin und wieder als Marco vor, weil er mit Wörner im Ausland immer etwas Mühe hat.)

Am Montag fuhren wir nach Bluewater Bay, einem Vorort von Port Elizabeth und tags darauf nach Jeffrey’s Bay, wo wir zweimal übernachteten. Damit kamen wir an die Garden Route, einem sehr schönen Abschnitt unserer Reise ans Kap.


J-Bay, wie Jeffrey’s Bay kurz genannt wird, gehört angeblich zu den fünf besten Surfspots der Welt. Von unserem schönen und verhältnismässig sehr günstigen Zimmer aus, hatten wir beste Sicht auf die bekannte Welle. Die Winde waren nicht besonders gut und darum war sie weniger hoch als an ihren besten Tagen. Aber es machte dennoch viel Spass den Surfern zuzusehen.


Wir verbrachten viel Zeit auf unserem Balkon und genossen die schöne Aussicht. Werner sammelte auf seinen Strandspaziergängen sehr dekorative Muscheln, die er mit nach Hause nehmen wird. Wie gesagt, alles selber gesammelt…

Gestern übernachteten wir in Knysna, das bekannt ist für seine Lagune und die Meeresmündung mit den beiden hohen Felsen. Diese Gegend ist übersät von Luxusvillen. Uns fällt auf, dass die besseren Wohngegenden fast ausschliesslich von Weissen bewohnt werden, die eigentlich nur knapp 10% der Landesbevölkerung ausmachen. Die weniger guten Jobs werden andererseits fast ausschliesslich von Schwarzen besetzt. Ein erwähnenswertes Beispiel sind die Parkwächter, die es hier an jedem Parkplatz gibt. Es gibt eigentlich nirgends Parkgebühren (Ausnahme: Parkhäuser), dafür sollte man dem Parkwächter immer ein paar Münzen geben bevor man wegfährt.

Soviel von unserer zweiten Woche in Südafrika. Am Sonntag beginnt für die “Springbocks” die Rugby-WM in Neuseeland. Bin gespannt wie das wird! Mehr davon in ein paar Tagen. Liebe Grüsse aus Mossel Bay!